Klein Ballerstedt

Der Ortsteil Klein Ballerstedt stellt sich vor:

Foto: Ralf Engelkamp

Kirche in Klein Ballerstedt

Foto: Hansestadt Osterburg

Dorfansicht von Klein Ballerstedt

Foto: Ralf Engelkamp

Skulptur in Klein Ballerstedt

Klein Ballerstedt ist einer der kleinsten Orte der Einheitsgemeinde Osterburg, welcher das Dorf seit Juli 2009 angehört. Schon von Weitem grüßt der Fachwerkturm der Kirche mit seinem spitzen Dachreiter und lädt zu einem Besuch des anmutig in Wiesen und Felder gebetteten Dörfchens ein. Das kleine Straßendorf wird auch heute durch nur wenige Höfe mit einer aus dem 19. und 20. Jhdt. stammenden Bausubstanz geprägt. Es ist damit kaum über seine mittelalterliche Struktur hinausgewachsen und wird so seinem Namen noch immer gerecht. Einen Besuch wert, ist neben der Kirche auch der Skulpturengarten von Matthias Faul. Hier kann man bei einem Rundgang über das in ständiger Entwicklung begriffene, öffentlich zugängliche Gelände einen Einblick in das vielseitige Schaffen des in den letzten Jahren insbesondere durch seine Lichtinstallationen überregional bekannt gewordenen Künstlers nehmen. Auch ein Galeriebesuch ist nach Voranmeldung möglich.


Frühe Ortsgeschichte und Dorfkirche

Ist Klein Ballerstedt auch wesentlich kleiner als sein großer „Bruder“, so erinnert der Ortsname daneben auch an eine andere Facette seiner Geschichte - nämlich an die Zeit der deutschen Besiedlung der Altmark im 10. bis 12. Jhdt., als die in diesem Zuge angelegten Dörfer oft mit dem Namenzusatz „Groß“ bezeichnet wurden, während die schon vorhandene slawische Siedlung den Zusatz „Klein“ erhielt. Die kleine Feldsteinkirche (vermutlich 1. Hälfte 13. Jhdt.) mit ihrem halbkreisförmigen Schluss ist der einzige verbliebene Zeuge der frühen Geschichte des Dörfchens und damit etwas älter als die urkundliche Ersterwähnung des Orts im ausgehenden 13. Jhdt.

Auf der Nordseite der Kirche finden sich noch einige der ursprünglichen kleinen Fensteröffnungen. Im Innern ist ein an seinem originalen Standort befindlicher spätromanischer Taufstein zu bewundern, dessen Fassung i. J. 1736 vermutlich in Zusammenhang mit der Vermauerung seiner Öffnung erneuert wurde. In jener Zeit (1734/36) erhielt die Kirche auch ihren markanten Fachwerkturm, welcher i. J. 1823 nochmals erneuert wurde. Spätestens aus dem 18. Jhdt. dürfte auch das rustikale Gestühl stammen, während der schlichte Pfarrstuhl auf das Jahr 1587 datiert ist. Vermutlich 1823 wurde der äußerst schlichte und in dieser Form in der Gegend einmalige Kanzelaltar auf der gemauerten Mensa errichtet. Daran, dass auch die Kriege des 19. und 20. Jhdt. nicht spurlos an Klein Ballerstedt vorbeigegangen sind, erinnern die in der Kirche angebrachten Kriegerehrungen für einen Teilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 und zwei Gefallene des Ersten Weltkriegs.


Vom 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

Um 1800 lebten in Klein Ballerstedt 59 Menschen, die wirtschaftliche und soziale Struktur entsprach noch ganz den spätfeudalen Verhältnissen. So gab es fünf Ganzbauernhöfe, zwei Kossatenhöfe, einen Zimmermann und zwei landlose Einliegerhaushalte. In der ersten Hälfte des 19. Jhdt. erfolgte dann wie in allen anderen altmärkischen und preußischen Dörfern auch in Klein Ballerstedt die Separation der zuvor noch dem Flurzwang unterworfenen bäuerlichen Ländereien und die Ablösung der feudalen Berechtigungen - in Klein Ballerstedt in erster Linie jener der Familie von der Schulenburg-Wolfsburg bzw. deren Vogtei Messdorf.

Mit diesen Reformen wurde auch der freie Grundstücksverkehr einschließlich Besitzteilungen und -vergrößerungen möglich. Zusammen mit anderen Faktoren führten die Reformen seit der Mitte des 19. Jhdt. zu einem Aufschwung der Landwirtschaft. Begleiterscheinung war aber auch eine zunehmende soziale Differenzierung. Gleichzeitig kam es im 19. Jhdt. zu einem recht bedeutenden Bevölkerungswachstum. Dieses setzte in Klein Ballerstedt allerdings erst in der zweiten Hälfte des 19. Jhdt. ein. Hatten 1854 weiterhin nur 59 Menschen im Dorf gelebt, so waren es 1871 bereits 82 - eine Steigerung um 39 Prozent. Dies war allerdings nicht von langer Dauer - in den folgenden Jahrzehnten bis in die 1930er Jahre pegelte sich die Zahl bei etwa 70 ein. Die Anzahl der Wohnhäuser stieg von acht im Jahre 1840 auf 14 zum Ende des 19. Jhdt. (1895).

Einer Auflistung der sogen. „Erbhöfe“ a. d. J. 1927 zufolge gab es damals in Klein Ballerstedt zehn bäuerliche Wirtschaften, darunter drei mittlere bis größere, die zwischen 40 und 66 Hektar besaßen, drei weitere mit 14 bis 22 ha und vier kleinere unter zehn Hektar.


Entwicklung nach 1945

Die Nachkriegszeit brachte auch für Klein Ballerstedt erhebliche Veränderungen mit sich. Wenn auch die Bodenreform vom Herbst 1945 keine unmittelbaren Auswirkungen hatte, galt es, den schon in den letzten Kriegsjahren einsetzenden Zustrom von Evakuierten und später von Kriegsflüchtlingen und Vertriebenen zu bewältigen. - Hatten 1936 in Groß und Klein Ballerstedt insgesamt 386 Menschen gelebt - davon 70 in Klein Ballerstedt, so waren es im Herbst 1946 in beiden Orten zusammen 616. Das entsprach einem Anstieg um fast 60 Prozent.

1950 wurden Groß und Klein Ballerstedt zur Gemeinde Ballerstedt zusammengeschlossen. Die 1950er Jahre standen ganz im Zeichen der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft. Auch in Ballerstedt entstanden mehrere Genossenschaften, darunter zu Beginn der 1960er Jahre in Klein Ballerstedt die LPG „Freundschaft“ vom Typ I. Bei diesem Typ wurde nur der Boden gemeinsam bewirtschaftet. Die zweite Hälfte der 1960er Jahre war in der Landwirtschaft durch die Bildung von Kooperationsgemeinschaften gekennzeichnet. In einer solchen KOG waren auch die Ballerstedter Genossenschaften mit jenen von Erxleben, Polkau, Düsedau und Osterburg vereint. Die Kooperationen wurden in den folgenden Jahrzehnten ausgebaut und vertieft, die einzelnen Genossenschaften spezialisierten sich in deren Rahmen auf Tier- oder Pflanzenproduktion. Die Ballerstedter Genossenschaft verlegte sich auf die Tierproduktion und Ballerstedt wurde Sitz einer Zwischenbetrieblichen Einrichtung (ZBE) Schweineproduktion, welche in den 1980er Jahren an mehreren Standorten insgesamt 25.000 Schweine eingestallt hatte. Außerdem war Klein Ballerstedt einer der Betriebsteile der LPG Rinderproduktion „Klement Gottwald“ Flessau.

Im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern hat die sozialistische Landwirtschaft das Dorfbild von Klein Ballerstedt kaum in Mitleidenschaft gezogen. Seit der Wende wurden zahlreiche Gehöfte von ihren Besitzern liebevoll saniert, so dass es sich in dem kleinen Dörfchen - insbesondere angesichts der attraktiven Lage im Grünen auch heute angenehm leben lässt.


Text: Corrie Leitz (Historikerin)
Diese Ortsbeschreibung wurde mit freundlicher Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen des Tourismusprojektes 2015-2017 erstellt.

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erstellt von Jana Henning | |   Presse

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