Schmersau

Der Ortsteil Schmersau stellt sich vor:

Foto: Ralf Engelkamp

Kirche in Schmersau

Foto: Hansestadt Osterburg

Ortseingang von Schmersau

Foto: Corrie Leitz

Torhaus in Schmersau

Schmersau liegt etwa 13 Kilometer westlich von Osterburg - dem Sitz der Einheitsgemeinde, welcher das Dorf seit Juli 2009 angehört. Schmersau ist ein typisches Straßendorf und besitzt einige noch vollständig erhaltene Vierseitenhöfe und Fachwerkgebäude, die teils aus dem 18. Jahrhundert stammen. Im Dorfbild fallen außerdem zwei Torgebäude auf, bei welchen die in der Mitte angeordnete Durchfahrt turm- bzw. zwerggiebelartig überbaut ist. Sie sind die letzten erhaltenen Zeugen dieser einstmals nur hier und in der engeren Umgebung (Orpensdorf, Rossau, Schliecksdorf) anzutreffenden Sonderbauweise. Auf der Nord- und Südseite des Dorfs ist der den Ort einst wohl vollständig umgebende Eichengürtel noch in Teilen vorhanden. Auf der südlichen Straßenseite sind die ehemalige Dorfschule - ein Backsteinbau aus dem 19. Jhdt. - und das Ensemble der im Kern spätromanischen bis frühgotischen und im 19. Jhdt. stark umgebauten Dorfkirche mit dem benachbarten Pfarrhaus a. d. J. 1914 sehenswert.


Frühe Ortsgeschichte und Dorfkirche

Schmersau taucht urkundlich erst recht spät - im Jahre 1337 - auf. Der Ortsname ist slawischen Ursprungs. Die nächste Nachricht über das Dorf gibt das bekannte Landbuch Kaiser Karls IV. aus dem Jahre 1375. Davon, dass das Dorf wesentlich älter ist, zeugt die im Kern spätromanische bis frühgotische Feldsteinkirche, die sich etwa in der Mitte der ursprünglichen Dorfanlage südlich der Straße befindet. Allerdings wurde das Kirchenschiff im 18., vor allem aber im 19. Jhdt. stark umgebaut. Auch der Turm ist nach mehreren Reparaturen, der Anlage neuer Fenster und des Portals nicht mehr im Originalzustand erhalten. Vor allem die hohen spitzbogigen Fensteröffnungen der Glockenstube, die mit farblich wechselnden Backsteinen gerahmt sind, gehören noch In die Bauzeit der Kirche. Die Wetterfahne aus dem Jahre 1753 erinnert an das jahrhundertwährende Kirchenpatronat der Familie von Bartensleben. Dieses ging wenige Jahre später zusammen mit den feudalen Berechtigungen, welche dieses Geschlecht mindestens seit dem 14. Jahrhundert im Dorf Inne hatte, an die Familie von der Schulenburg über.


Vom 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

Um 1800 lebten in Schmersau 178 Menschen, die wirtschaftliche und soziale Struktur entsprach noch ganz den spätfeudalen Verhältnissen. So gab es zehn Ganz- und einen Halbbauernhof sowie sechs Kossatenhöfe. Dazu kam die relativ hohe Zahl von elf grundbesitzlosen sogen. Einliegerhaushalten, die zur Miete wohnten. An Handwerken war eine Schmiede im Dorf vertreten. Die feudalen Berechtigungen im Ort standen zu einem großen Teil der Familie von der Schulenburg-Wolfburg zu und mussten an deren Vogtei Messdorf geleistet werden.

In der ersten Hälfte des 19. Jhdt. erfolgte dann wie in allen anderen altmärkischen und preußischen Dörfern auch in Schmersau die Separation der zuvor noch dem Flurzwang unterworfenen bäuerlichen Ländereien und die Ablösung der feudalen Lasten. Damit wurde auch der freie Grundstücksverkehr einschließlich Besitzteilungen und -vergrößerungen möglich. Diese grundlegenden Reformen führten zusammen mit anderen Faktoren seit der Mitte des 19. Jhdt. zu einem Aufschwung der Landwirtschaft. Begleiterscheinung war aber auch eine zunehmende soziale Differenzierung. Gleichzeitig kam es im 19. Jhdt. in Preußen zu einem recht bedeutenden Bevölkerungswachstum. Auch in Schmersau erhöhte sich die Einwohnerzahl bis in die 1860er Jahre stetig und erreichte mit 211 i. J. 1867 ihren zeitweiligen Höchststand, der Zuwachs fiel jedoch mit gut 18 Prozent wesentlich geringer aus als in den meisten anderen Dörfern der Gegend. Auch sank die Einwohnerzahl in den folgenden Jahrzehnten wieder deutlich und erreichte den Stand von 1867 erst wieder in den 1920er Jahren. Auch in Schmersau war ein gewisser Ausbau des Dorfs zu verzeichnen, wenn auch nicht in so großem Umfang wie in manch anderer Gemeinde. Ein Großteil der für das 19. Jhdt. typischen Neuschaffung von kleinen Grundstücken erfolgte offenbar schon im frühen 19. Jahrhundert (1840: acht Häusler). Bis 1871 kamen dann drei und bis 1895 nochmals fünf weitere Wohngebäude hinzu. Während des Nationalsozialismus wurden an der Straße nach Orpensdorf einige kleine Siedlerstellen geschaffen und Orpensdorf 1939 nach Schmersau eingemeindet.

Mit der Eröffnung der Kleinbahn Osterburg - Deutsch Pretzier im Jahre 1914 hatten beide Orte Anschluss auch an das überregionale Schienennetz erhalten. Der frühere Kleinbahnhof am östlichen Ortseingang von Schmersau ist heute ein Wohnhaus. Bis in die erste Hälfte des 20. Jhdt. war Schmersau ein relativ wohlhabendes Dorf, woran sicherlich auch der teils gute Boden seinen Anteil hatte. Eigentliche Großbauern gab es nicht, die größeren Bauernhöfe umfassten zwischen 43 und 60 Hektar.


Entwicklung während der Nachkriegszeit und in der DDR

Die Nachkriegszeit brachte auch für Schmersau erhebliche Veränderungen mit sich. Während die im Herbst 1945 eingeleitete Bodenreform im Dorf eher geringe Auswirkungen hatte - es wurde lediglich ein Hof von knapp 25 Hektar enteignet, stellte die Unterbringung und Versorgung der zahlreichen Evakuierten, Kriegsflüchtlinge und Vertriebenen eine große Herausforderung dar. Hatten 1936 in Schmersau 183 und in Orpensdorf 78 Menschen gelebt, so waren es im Herbst 1946 insgesamt 422 - ein Anstieg um fast 62 Prozent. Einige der Familien blieben dauerhaft im Dorf.

Die 1950er Jahre standen ganz im Zeichen der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft. Die Schmersauer standen dieser Entwicklung besonders ablehnend gegenüber. Dennoch wurde im Mai 1953 die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft gegründet. Diese LPG mit dem Namen „Hand in Hand“ war bereits eine Genossenschaft vom Typ III, in welche nicht nur die landwirtschaftlichen Flächen, sondern auch Gebäude sowie das lebende und tote landwirtschaftliche Inventar eingebracht wurden. Unter erheblichem politischem Druck gründeten die verbliebenen Einzelbauern im sogen. „Sozialistischen Frühling“ des Jahres 1960 die LPG „Gute Zukunft“. Mit dem Typ I wählten sie dabei das kleinstmögliche „Übel“, denn bei diesem Typ wurde nur der Boden gemeinsam bewirtschaftet. Zu Beginn der 1970er Jahre wurden die beiden Schmersauer Genossenschaften vereinigt und wie auch die Orpensdorfer LPG mit der von Gladigau zusammengeschlossen, nachdem man bereits einige Jahre eine sogen. Kooperationsgemeinschaft gebildet hatte. Im Zuge der Bildung noch größerer Strukturen kam es 1975 zur Vereinigung mit den inzwischen auf Tier- bzw. Pflanzenproduktion spezialisierten Genossenschaften von Flessau. Schmersau wurde einer der Produktionsstandorte der LPG Rinderproduktion „Klement Gottwald“ mit Sitz in Flessau und der ZGE Schweineproduktion Ballerstedt. Die Pflanzenproduktion ging an die LPG „Ernst Thälmann“ bzw. KAP in Flessau. Auch territorialpolitisch stand die Bildung größerer Strukturen auf dem Programm. Anfang 1974 wurde Schmersau mit Orpensdorf nach Gladigau eingemeindet.


Schmersaus Entwicklung seit der „Wende“

Die Landwirtschaft als Haupterwerb ist heute in Schmersau nicht mehr vertreten - die meisten Flächen sind verpachtet, einige werden im Nebenerwerb von den Besitzern bewirtschaftet. Die demographische Entwicklung und die Abwanderung vor allem junger Leute infolge des Verlustes zahlreicher Arbeitsplätze nach 1989/90 führten auch in Schmersau zu einer kontinuierlich sinkenden Einwohnerzahl. Ein traditionsreiches Metallbauunternehmen mit mehreren Mitarbeitern und einige gewerbliche und freiberufliche Einzelunternehmen zeigen jedoch, dass man auch heute in einem so kleinen Dorf sein Auskommen haben kann. Zu Beginn unseres Jahrtausends haben sich die Schmersauer und Orpensdorfer durch Umbau des ehemaligen Konsums ein gern genutztes Dorfgemeinschaftshaus geschaffen. Das Mehrzweckgebäude beherbergt auch die Freiwillige Feuerwehr, welche 1901 gegründet wurde. Der Förderverein der Feuerwehr ist es auch, der regelmäßig dafür sorgt, dass die Geselligkeit nicht zu kurz kommt. So gibt es seit einigen Jahren ein jährliches Dorffest mit Tanz, zu dem auch Gäste herzlich willkommen sind.


Text: Corrie Leitz (Historikerin)
Diese Ortsbeschreibung wurde mit freundlicher Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen des Tourismusprojektes 2015-2017 erstellt.

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