Ballerstedt

Der Ortsteil Ballerstedt stellt sich vor:

Foto: Hansestadt Osterburg

Dorfgemeinschaftshaus in Ballerstedt

Foto: Ralf Engelkamp

Kirche in Ballerstedt

Foto: Ralf Engelkamp

Straßenansicht von Ballerstedt

Ballerstedt liegt etwa sieben Kilometer (Luftlinie) südwestlich von Osterburg - dem Sitz der gleichnamigen Einheitsgemeinde, welcher das Dorf seit Juli 2009 angehört. Der Legende nach soll Ballerstedt - früher Groß Ballerstedt - einst ein Marktflecken gewesen sein und sogar einen Roland besessen haben. Es gibt allerdings keinerlei historische Belege dafür. Zu dieser Vermutung hat sicherlich vor allem die im Vergleich zu den umgebenden Orten eher ungewöhnliche Struktur des Dorfes Anlass gegeben, ist Ballerstedt doch kein typisches altmärkisches Straßendorf, sondern es besitzt neben zwei sich kreuzenden Hauptstraßen ein relativ verzweigtes Straßensystem südlich der in Ost-West-Richtung verlaufenden Durchgangsstraße. Das Dorfbild wird heute durch Bauernhöfe unterschiedlicher Größe geprägt, darunter teils noch geschlossene, für die Gegend typische Vierseitanlagen aus dem 19. und frühen 20. Jhdt.


Ballerstedt vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert, die Dorfkirche

1238 erstmals urkundlich unter den Besitzungen des Grafen Siegfried von Osterburg als „ballerstede“ erwähnt, ist für das ausgehende 15. Jhdt. erstmals die Bezeichnung Groß Ballerstedt („magna Balrestede“) nachgewiesen. Dieser Namenzusatz erinnert an die Zeit der deutschen Besiedlung der Altmark, als die in diesem Zuge angelegten Dörfer oft mit dem Namenzusatz „Groß“ bezeichnet wurden, während die schon vorhandene slawische Siedlung den Zusatz „Klein“ erhielt - in diesem Fall das benachbarte Klein Ballerstedt, für welches der Namenszusatz schon wesentlich früher nachweisbar ist. Von der ältesten Geschichte des Dorfes kündet noch heute die imposante, auf einer Anhöhe errichtete, vierteilige Feldsteinkirche, deren romanischer Charakter bis auf die veränderten Fensteröffnungen und die seit dem 18. Jhdt. angebrachten Stützpfeiler größtenteils erhalten geblieben ist. Sie besitzt auf der Südseite noch ihre originalen Eingänge - das zweifach abgestufte romanische Hauptportal sowie die Pfarrertür im Chorbereich. Außerdem finden sich auf der Nord- und Südseite des Schiffs zwei vermauerte romanische Fenster, die einen Eindruck vom ursprünglichen Aussehen der Kirche vermitteln. Im Innern ist vor allem der romanische Taufstein mit einer Fassung a. d. J. 1598 beachtenswert. Aus der Zeit der Spätrenaissance ist eine Gestühl- Vorderwand erhalten geblieben, welche wie der barocke Altaraufsatz und die Kanzel (1721/29), der rustikale Opferstock aus dem 17. und der schlichte Pfarrstuhl a. d. 18. Jhdt. aus jener Zeit stammt, in welcher die Familie von Bartensleben auf der Wolfsburg das Patronat über Ort und Kirche inne hatte. Diese Familie besaß bereits im ausgehenden 14. Jhdt. die umfangreichsten feudalen Berechtigungen in Groß Ballerstedt und nachdem deren männliche Linie 1742 erloschen war, gelangte der Besitz durch die bereits früher erfolgte Heirat der einzig überlebenden Tochter an die Familie von der Schulenburg.


Vom 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

Um 1800 lebten in Groß Ballerstedt 210 Menschen, es war damit ein für die Gegend relativ großes Dorf. Die wirtschaftliche und soziale Struktur entsprach damals noch ganz den spätfeudalen Verhältnissen. So gab es 13 Ganz- und fünf Halbbauernhöfe, drei Kossatenhöfe, aber auch einen nahezu grundbesitzlosen Büdner. An Handwerken waren im Dorf nur eine Schmiede und eine Windmühle vorhanden. In der ersten Hälfte des 19. Jhdt. erfolgte dann wie fast allen preußischen Dörfern auch in Ballerstedt die Separation der zuvor noch dem Flurzwang unterworfenen bäuerlichen Ländereien und die Ablösung der feudalen Berechtigungen - in erster Linie jener der Familie von der Schulenburg auf Wolfsburg bzw. deren Vogtei Messdorf sowie dem Familienzweig auf Priemern. Mit diesen grundlegenden Reformen wurde auch der freie Grundstücksverkehr einschließlich Besitzteilungen und -vergrößerungen möglich, seit der Mitte des 19. Jhdt. war insgesamt ein Aufschwung der Landwirtschaft zu verzeichnen. Begleiterscheinung dieser Entwicklung war aber auch eine zunehmende soziale Differenzierung. Gleichzeitig kam es im 19. Jhdt. zu einem recht bedeutenden Bevölkerungswachstum. Letzteres lässt sich auch an der Entwicklung der Einwohnerzahlen von Groß Ballerstedt ablesen. In den gut 50 Jahren bis 1854 stieg die Zahl auf 250 und damit um 19 Prozent. Ihren Höchststand vor dem Zweiten Weltkrieg erreichte sie bereits 1871 mit 330, was einer Steigerung von 57 Prozent gegenüber dem Beginn des Jahrhunderts entspricht. Parallel dazu erfolgte ein Ausbau des Orts. Waren schon zwischen 1800 und 1840 vier kleine Anwesen - sogen. Häusler - hinzugekommen, so stieg die Zahl der Wohnhäuser von 1840 bis zum Ende des Jahrhunderts von 34 auf 54 (1895), auch wenn die Einwohnerzahl nach 1871 wieder etwas abnahm (1895: 302) und erst in der ersten Hälfte des 20. Jhdt. nach einem Tiefpunkt um 1912 (284) wieder anstieg (1930: 325; 1936: 316).

Zwar gab es in Groß Ballerstedt kein Rittergut, jedoch hatten sich bis zum Beginn des 20. Jhdt. mehrere Bauernwirtschaften zu großen Betrieben mit Flächen zwischen 60 und 80 Hektar entwickelt. Der größte umfasste zeitweilig sogar 127 Hektar (Stand 1922). Eine Auflistung der „Erbhöfe“ von Groß Ballerstedt a. d. J. 1927 nennt einen Hof von 105 ha, einen mit 75 ha, drei zwischen 50 und um 60 ha, vier weitere mit 23 bis 37 ha, und acht zwischen 9 und 17 ha. Somit war nahezu die gesamte Bandbreite bäuerlicher Betriebe im Dorf vertreten. Bis in die 1940er Jahre hatte ein weiterer Betrieb die 100-Hektar-Marke überschritten.

Der wirtschaftliche Aufschwung in Ballerstedt war durch den Anschluss an die 1908 eingeweihte Kleinbahn Stendal - Arendsee weiter forciert worden. So konnten u. a. Rüben zur Goldbecker Zuckerfabrik transportiert werden. 1978/79 wurde der Verkehr auf dieser Strecke eingestellt. Von der zunehmenden Bedeutung auch der Milchwirtschaft seit der Wende zum 20. Jhdt. zeugte der Bau einer eigenen Dampfmolkerei an der heutigen Ernst-Thälmann-Straße. Daneben waren typische Landgewerke im Dorf vorhanden - ein Schmied, ein Stellmacher sowie ein Schuhmacher. Darüber hinaus gab es eine Bäckerei, einen Kaufladen und selbstverständlich auch eine Gastwirtschaft. 1943 erlebten die Ballerstedter den Weltkrieg hautnah, als am 20. Oktober durch zwei Luftminen eines englischen Bombers zwei Gebäude zerstört und zwei Fremdarbeiter/Kriegsgefangene getötet wurden. An der Front hatten inzwischen schon zahlreiche Väter und Söhne aus dem Dorf ihr Leben verloren und bis Kriegsende hatten die Groß Ballerstedter insgesamt 22 Gefallene und Vermisste zu beklagen. Bereits der Erste Weltkrieg hatte neun Männer aus dem Dorf das Leben gekostet. Nun waren es sogar mehr als doppelt so viel.


Entwicklung während der Nachkriegszeit und in der DDR

Die Nachkriegszeit brachte auch für Ballerstedt erhebliche Veränderungen mit sich. Zunächst galt es, den schon in den letzten Kriegsjahren einsetzenden Zustrom von Evakuierten und später von Kriegsflüchtlingen und Vertriebenen zu bewältigen. Hatten 1936 in Groß und Klein Ballerstedt insgesamt 386 Menschen gelebt - davon 316 in Groß Ballerstedt, so waren es im Herbst 1946, 616. Das entsprach einem Anstieg um fast 60 Prozent. Im Rahmen der Bodenreform des Herbstes 1945 wurden die beiden größten Bauernwirtschaften (ca. 137 bzw. 105 ha) sowie zwei weitere Höfe sogen. „aktiver Nazis“ mit 75 bzw. knapp 61 Hektar Grundbesitz enteignet. Aus diesem Bodenfonds wurden 35 Voll- und 19 Kleinsiedlerstellen geschaffen.

1950 wurde aus Groß und Klein Ballerstedt die Gemeinde Ballerstedt gebildet. Das folgende Jahrzehnt stand ganz im Zeichen der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft. Zwar setzten auch die Ballerstedter entsprechenden Bestrebungen erheblichen Widerstand entgegen, dennoch wurde im August 1952 die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft mit den Namen „Neues Leben“ gegründet. Dies war bereits eine Genossenschaft vom Typ III, in welche nicht nur die landwirtschaftlichen Flächen, sondern auch Gebäude sowie das lebende und tote landwirtschaftliche Inventar eingebracht wurden. Eine weitere LPG vom selben Typ bildete sich 1953. Unter erheblichem politischem Druck gründeten schließlich die verbliebenen dreizehn Einzelbauern im sogen. „Sozialistischen Frühling“ des Jahres 1960 die LPG „Märzwind“. Mit dem Typ I wählten sie dabei das kleinstmögliche „Übel“, denn bei diesem Typ wurde nur der Boden gemeinsam bewirtschaftet.

Die zweite Hälfte der 1960er Jahre war in der Landwirtschaft durch die Bildung von Kooperationsgemeinschaften gekennzeichnet. In einer solchen KOG waren auch die Ballerstedter Genossenschaften mit jenen von Erxleben und Polkau vereint. Die Kooperationen wurden in den folgenden Jahrzehnten ausgebaut und vertieft, die einzelnen Genossenschaften spezialisierten sich in deren Rahmen auf Tier- oder Pflanzenproduktion. Die Ballerstedter Genossenschaft verlegte sich auf die Tierproduktion und Ballerstedt wurde Sitz einer Zwischenbetrieblichen Einrichtung (ZBE) Schweineproduktion, welche in den 1980er Jahren an mehreren Standorten insgesamt 25.000 Schweine eingestallt hatte. Ballerstedt war auch Betriebsteil der LPG Tierproduktion „Klement Gottwald“ Flessau. Gegen Ende der 1980er Jahre war die Ballerstedter Genossenschaft Teil der Flessauer Kooperation, welche nun ca. 6.000 Hektar in den 13 beteiligten Dörfern bewirtschaftete. Auch in territorialpolitischer Hinsicht ging bereits in den 1970er Jahren der Trend zur Bildung größerer Strukturen. So gehörte Ballerstedt ab 1974 zum Gemeindeverband Flessau.


Entwicklung seit der politischen Wende von 1989/90

Die deutsche Einheit brachte wie allerorts neben der langersehnten politischen Freiheit auch für die Ballerstedter erhebliche Einschnitte im Alltagsleben mit sich. Infolge des Verlustes zahlreicher Arbeitsplätze in der näheren und weiteren Umgebung und im Zusammenspiel mit der allgemeinen demographischen Entwicklung sank auch die Einwohnerzahl im Dorf erheblich, der Rückgang ist bis heute nicht gestoppt. Dennoch leben die Ballerstedter auch heute gern in ihrem Dorf. Davon zeugt u. a. eine Vielzahl liebevoll sanierter Anwesen. Im Dorfleben spielt wie vielerorts die bereits 1895 gegründete Freiwillige Feuerwehr eine große Rolle. Obwohl die Schweineproduktion im Kreis Osterburg in rasantem Tempo auf etwa ein Drittel des Vorwendestands sank, konnte sich die aus der LPG Schweineproduktion hervorgegangene Agrargenossenschaft Ballerstedt weiterhin am Markt behaupten. Im Zuge einer deutlichen Bestandsreduzierung wurde die Produktion auf wenige Standorte konzentriert. Gleichzeitig werden umfangreiche Flächen in den umliegenden Orten bewirtschaftet, die oft über Pachtverträge mit den privaten Besitzern gebunden sind. Nachdem Ballerstedt in den 1990er Jahren zunächst Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft „Altmärkische Höhe“ mit Sitz in Lückstedt geworden war, erfolgte 2009 der Beitritt zur Einheitsgemeinde Osterburg.


Text: Corrie Leitz (Historikerin)
Diese Ortsbeschreibung wurde mit freundlicher Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen des Tourismusprojektes 2015-2017 erstellt.

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erstellt von Jana Henning | |   Presse

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